Leerstand

Seit 27. Juli 2026 zeigt der Bildhauer Hermann Eckerstorfer aus Helfenberg fünf Skulturen.

Auslagen in Ortschaften stehen oft leer und können mit Kunst bespielt werden. Aus Leerstand wird Kunstraum.

Bilder, Skulpturen, Objekte werden in leeren Auslagen ausgestellt . Kunstvermittlung erfolgt über QR-Codes, die mit dem Handy nach dem Scannen zum Text, Audio oder Video des Künstlers führen.


Die Mondorgel

Text und Tontechnik: Willi Tanzer, Musik Kurt Winkler
Die Mondorgel, Tusche auf Bütte, 39 x 49 cm, 2026

Die Mondorgel

Im Sternbild des Orion steigt abermals der Vollmond über den Horizont.

Im Wind zittern Wolken und Wellen. Die zerklüftete Felseninsel taucht aus Meerestiefen, schiebt silberne Säulen in das Firmament. Die Mondorgel beginnt ihr Spiel, weich und betörend.

Die Flut treibt die unglücklichen Liebenden aller Zeiten an das Ufer. Samson und Delilah, Orpheus und Eurydike, Tristan und Isolde, Philemon und Baucis, Romeo und Julia, Anna Karenina und Graf Wronski, … Nichts und niemand trennt sie mehr: weder Götter noch Menschen, auch nicht Krieg, Verrat und Tod.

Um ihre Liebe zu beschützen, taucht der Mond in den Kernschatten der Erde. In totaler Finsternis, die Mondorgel – mächtig und betörend, dann zaghaft und – still.

Mit dem rückkehrenden Mondlicht kommt der Fährmann und holt die Liebenden zurück auf die Toteninsel, die abermals in der Flut versinkt.


Die Rüsselhörner – cornus rostrum

Text und Tontechnik: Willi Tanzer, Musik: Kurt Winkler
Die Rüsselhörner Tusche auf Büttenpapier, 79 x 58 cm, 2026

Die Rüsselhörner

Vor 80 Millionen Jahren herrschen auf der Erde die Vulkane und die Saurier. Eine riesige Landplatte wird abgetrennt und driftet durch den nördlichen Pazifik westwärts. Dort entwickeln sich im stickigem Treibhausklima der Erde aus den Vorfahren der Primaten die Rüsselhörner (cornus rostrum).

Ihre Hörner sind hochentwickelte Antennen. Sie dienen zur Kommunikation mit Lebensformen in den Tiefen des Weltalls. Auf dem Planeten Paliagea lebt eine ihnen freundliche Spezies. Über die Hornspitze können die Rüsselhörner von dort genug Energie für die Teleportation empfangen.

Rüsselhörner fressen Flechten, Moose, Schachtelhalme, Gräser und Farne. Mit ihren Rüsseln saugen sie Unmengen an Kohlendioxid, Methan und Lachgas ein. Sauerstoff wird einfach ausgeatmet. Dadurch wird die Luft immer reiner. Ein Problem für alle Rüsselhörner.

Zum Glück schlägt vor 66 Millionen Jahren ein Meteorit in der Erde ein, verdunkelt die Atmosphäre abermals und vernichtet die Saurier. Weitere Jahrmillionen können die Rüsselhörner auf ihrer Landplatte leben.

Die Erde kühlt ab und vor 800.000 Jahren sinkt der Gehalt an Treibhausgasen kritisch. Das Kollektiv der Rüsselhörner lässt sich auf den Planeten Paliagea beamen.

Dort leben sie bis heute und vermehren sich prächtig. Nun suchen sie einen neuen Planeten für den Nachwuchs. In der Atmosphäre der Erde sind endlich wieder genug Treibhausgase vorhanden.

Einige Rüsselhörner sammeln sich auf Paliagea und eilen zu den Teleportationshütten. Durch die Hornspitze blitzt Energie und im selben Moment gelangen die ersten Rüsselhörner zurück auf die Erde.