Die Mondorgel

Mondorgel Tusche auf Bütte, 39 x 49 cm, 2026

Im Sternbild des Orion steigt abermals der Vollmond über den Horizont.

Im Wind zittern Wolken und Wellen. Die zerklüftete Felseninsel taucht aus Meerestiefen, schiebt silberne Säulen in das Firmament. Die Mondorgel beginnt ihr Spiel, weich und betörend.

Die Flut treibt die unglücklichen Liebenden aller Zeiten an das Ufer. Samson und Delilah, Orpheus und Eurydike, Tristan und Isolde, Philemon und Baucis, Romeo und Julia, Anna Karenina und Graf Wronski, … Nichts und niemand trennt sie mehr: weder Götter noch Menschen, auch nicht Krieg, Verrat und Tod.

Um ihre Liebe zu beschützen, taucht der Mond in den Kernschatten der Erde. In totaler Finsternis, die Mondorgel – mächtig und betörend, dann zaghaft und – still.

Mit dem rückkehrenden Mondlicht kommt der Fährmann und holt die Liebenden zurück auf die Toteninsel, die abermals in der Flut versinkt.